Die Dritte auf Facebook

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05
November
2018

Im Reich der Dritten alias Tabellenführer hey hey

‚So fühlte es sich also an, wenn man das Reich der Dritten betritt!‘. Neuzugang Stefan Jäger, in Sachen Handball eigentlich kein heuriger Hase mehr, hatte Gänsehaut, als er am Samstag in der Umkleidekabine Der Dritten Platz nahm. Stefan blickte sich um und er erkannte einige seiner neuen Mitspieler durchaus. Da war natürlich als Erster der Käpt´n. In seiner Vorstellung war Jens Pichotta nach allem, was er gehört und gelesen hatte, viel größer und breiter - mindestens an die zwei Meter und einhundert Kilo.

Doch wie er so da saß und das fahle Licht der Umkleidekabine nur mit Mühe den schmalen Körper vom Käpt´n zu erfassen schaffte, wirkte Pichotta beinahe durchschnittlich gebaut, fast menschlich. „Wie macht der das bloß“, fragte sich Stefan und blickte weiter zu dem Spieler neben ihm. Weitaufgerissene, blutunterlaufene Augen, permanent mit den schwieligen Fingerknöcheln knackend und den Kiefer auf Dauermahlbetrieb eingestellt: Das konnte nur Daniel „The Butcher“ Böhm sein. Und genau so war es. Als der Butcher sich ihm zuwendete und ihn auch noch anlächelte, drohte Stefan, die Besinnung zu verlieren. Er kämpfte tapfer gegen seine Furcht an und redete sich ein, dass Böhm doch eigentlich einer von ihnen sei.

Da waren dann als nächstes die eineiigen Zwillinge: Die ewig streitenden Thiele-Brüder waren kaum zu überhören, zofften die sich doch schon vor der Kabine wie zwei Taxifahrer am Hauptbahnhof, wem der Platz an der Heizung zustehen würde. Dabei versuchten sie sich erstaunlicherweise immer wieder mit "Deine-Mutter"-Witzen zu provozieren.

Den Typen gegenüber schien das derweil überhaupt nicht zu berühren, war der Blondschopf doch gedankenversunken damit beschäftigt, sich Zwiebelringe auf alle Finger zu stecken, um derart geschmückt eine Bulette und eine Bockwurst gleichzeitig in seinem Mund verschwinden zu lassen. Das konnte nur der Kitzler sein, wie die von der Dritten Nils Klitzke nannten. Stefan war von so einem Appetit kurz vor Anpfiff ziemlich beeindruckt. Aber vor allem angewidert.

Die beiden Keeper Karsten Buckow und Toralf Vietze konnte Stefan schnell an deren im Genitalbereich durch die massiven Suspensoriums ausgebeulten Hosen erkennen. „Ich verstecke mir da immer noch eine Zimtschnecke und ein Tässchen Kaffee für das Spiel“, rief ihm Buckow ungefragt zu, als der leicht ergraute Torwart Stefans Blick erhaschte. Potsdams Neuzugang versuchte zurück zu zwinkern, was mit dem angeekelten Gesichtsausdruck gar nicht so einfach war. Zum Glück wurde er abgelenkt von einem Duft, der vom Platz rechts neben ihm herrührte. Dort saß ein modisch frisierter Spieler in kariertem Holzfäller-Unterhemd mit perfekt gestutztem Vollbart. „Magst du einen Schluck von meinem ausschließlich fair gehandelten und fair produzierten Kaffee-Latte-Macchiato-senza-Macchiato haben? Die Kopi Luwak-Bohnen hat meine Zibetkatze erst heute morgen ausgeschieden. Ich habe sie eben frisch zubereitet“, lud ihn der Modelltyp ein und zeigte auf eine kleine Handmühle, die unter seinem Sitzplatz zwischen einer Büchse Kimchi und einer Tüte Quinoa-Samen Platz gefunden hatte.

„Du musst Florian Knuth aus Berlin-Prenzlauer Berg sein?“ Der hippe Hauptstädter quittierte die Frage mit einen Kopfnicken und deutete dabei auf einen Spieler, der - zwei Frauen untergehakt - in der Tür stand. Als sich die weibliche Begleitung mit vernehmlichem Schmatzen per Küsse auf die Wange verabschiedet hatte, wusste Stefan dann auch sofort, wen er da vor sich hatte, denn André Kernbachs Charme war legendär.

Als Kernbach seinen Platz gefunden hatte, blieb nur noch ein Mitspieler übrig, den Stefan Jäger gar nicht zuordnen konnte – ein unbeschriebenes Blatt sozusagen. Der blank polierte Helm unter der Bank und ein rotes T-Shirt mit dem Aufdruck „Wir haben die größten Hupen, die längsten Schläuche, können am weitesten spritzen und holen auch ihre Muschi vom Baum“ waren für Stefan zumindest ein erster Anhaltspunkt, dass es sich um Berufsfeuerwehrmann Martin Seidler handeln könnte, der ebenso wie er neu bei Der Dritten war.

Weil Stefans Blick zu allerletzt bei Uwe Berg hängen blieb, stellte sich der Neuzugang die Frage, wo der Spitzname Coco eigentlich herrührte, denn nach Chanel roch der Co-Coach ganz und gar nicht. Viel mehr nach Stahl, Blut, Schweiß und Tränen. Naja, eigentlich nur nach Schweiß und nach Tränen, Spielertränen. Weiter kam Stefan Jäger nicht mit seinen Überlegungen, wurde er doch von einem gleißenden Licht geblendet, als würde jemand mit einem Filmscheinwerfer in die Kabine leuchten.

„Fakt ist eins!“, donnerte das Licht. Checo Hanisch stand im Türrahmen der Kabine. ‚All die Überlieferungen waren also doch nicht übertrieben‘, dachte sich Stefan und musste sich erst an den Hall in Checos Stimme gewöhnen. Seinen zum Teil hartgesottenen Mitspielern schien es nicht anders zu ergehen. Sogar der Butcher unterbrach für einen Moment seine Fingerübungen. Nur von gegenüber, wo sich von Nils Klitzkes Platz her ein leichter Zwiebelgeruch im Raum verteilte, hörte man ein leises Knuspern.

„Männer!“, dröhnte der Checo weiter, „Männer! Heute ist Spitzenspiel beim Tabellenführer und ihr wisst, was wir da auf gar keinen Fall vergessen dürfen!“ Die Anspannung kondensierte als Wasserdampf auf Stefans Stirn. „Das Mannschafts-Selfie nach dem Spiel!“, beendete Checo seine Ansprache. Stefan wollte es kaum glauben. Keine flammende Motivationsrede? Keine Aufstellung? Und erst Recht keine taktischen Vorgaben? „Da staunste, was?!“ Der Käpt´n bemerkte die Verunsicherung beim Neuen und klopfte ihm im Rausgehen aufmunternd auf die Schulter. Und ebenso - nur respektvoller - nach dem Abpfiff, nach einem gelungenen 27:19-Sieg, einer 17:9-Halbzeit- sowie der Tabellenführung, 60 launigen und unterhaltsamen Minuten, einem Team-Time-Out, einem vergeigten Kempatrick, einem vergeigten Dreherversuch, einem vergeigten Siebenmeter, mehreren Rückhandanspielen, Krachern in den Winkel, vier Stefan-Jäger-Toren, einem Mannschafts-Selfie nach dem Spiel und leider auch einer womöglich schwerwiegenderen Verletzung auf Seiten der Gastgeber von der HSG/RSV Teltow/ Ruhlsdorf III. Die Dritte wünscht gute Besserung!

Die Dritte mit: Karsten Thomas Buckow, Toralf Vietze – Stefan Jäger, Florian Knuth, Jan Thiele, Jens Pichotta, Daniel Böhm, Nils Klitzke, Martin Seidler, André Kernbach, Marc Thiele

(MT)

Geschrieben von Marc ThieleVeröffentlicht in: News VfL3

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