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10
April
2015

Alles nur ein böser Traum - VORSCHAU Die Zwote

Bis heute weiß Robert Suchalla nicht, welcher Dämon von ihm Besitz ergriffen hatte, als er die beschauliche Kurstadt Bad Freienwalde verlassen hatte und in die Landeshauptstadt gezogen war. Als er das Schmuckkästchen der Kurstadt-Sporthalle mit der Hallennummer 1355 gegen den tristen Neubaukasten, den sie hier stolz die „KF-Arena“ nennen, tauschte. Wieso zur Hölle ist er nur auf die offensichtlich verlogenen Versprechungen von Don Checo aus dem Kirchsteigfeld hereingefallen, der ihm im Anschluss an ein Punktspiel bei einem Wechsel siebenmal Training, einen eigenen Physiotherapeuten, ein Monatsticket für den ÖPNV und eine eigene Umkleidekabine versprach.

Bis heute weiß Robert Suchalla nicht, welcher Dämon von ihm Besitz ergriffen hatte, als er die beschauliche Kurstadt Bad Freienwalde verlassen hatte und in die Landeshauptstadt gezogen war. Als er das Schmuckkästchen der Kurstadt-Sporthalle mit der Hallennummer 1355 gegen den tristen Neubaukasten, den sie hier stolz die „KF-Arena“ nennen, tauschte.

Wieso zur Hölle ist er nur auf die offensichtlich verlogenen Versprechungen von Don Checo aus dem Kirchsteigfeld hereingefallen, der ihm im Anschluss an ein Punktspiel bei einem Wechsel siebenmal Training, einen eigenen Physiotherapeuten, ein Monatsticket für den ÖPNV und eine eigene Umkleidekabine versprach. „In einem Jahr bist du reif für die Zweite Liga. Du bist nicht der Erste aus unseren Reihen, der diesen Weg gegangen ist“, waren Checos Worte bei ihrem ersten Treffen in der Umkleide Nr. Drei, wo der Pate einmal wöchentlich seine Klienten empfing.

Die Wirklichkeit sah indes anders aus. Anders im Sinne von furchtbar, trostlos und manchmal auch widerwärtig. Robert musste bitter aufstoßen.

Und trotzdem stand er auch diesen Mittwoch wieder vor der Sporthalle in der Lise-Meitner-Straße. Die zwölf Kilometer im Nieselregen auf dem Fahrrad von seiner Wohnung hierher waren auch diesmal wie im Flug vergangen, selbst der Abschnitt über die vierspurige Nuthe-Schnellstraße. „Ein Suchalla erfüllt seine Verträge“, hatte er die Stimme seines Vaters im Ohr. Noch immer war es ihm ein Rätsel, wie Don Checo, kurz nachdem die Tinte unter dem Vertrag getrocknet war, bei seiner Vertragslaufzeit noch die Null hinter die Eins gepinselt hatte. Ist denn niemandem diese krakelige Kinderschrift aufgefallen?

Wenn es sonst schlimm war, so würde das Training heute furchtbar werden, ging es am Samstag doch gegen seinen alten Verein SV Jahn Bad Freienwalde. Wie jedes Mal die letzten sechs Jahre würde ihn an diesem Tag der Co-Trainer, ein Schlägertyp namens Berg, der wohl wegen seiner zahlreichen Vorstrafen seinen Geburtsnamen Gajewski abgelegt hatte, mit einem „Klaps“ auf die Schulter liebevoll begrüßen. Würde ihn sein Positionsnachbar auf Halblinks Dr. Jan – Dr. wofür eigentlich? Jedenfalls nicht Handballtaktik! – mit dem Vorschlag, doch mal einen dieser neumodischen Kempatricks auszuprobieren, nerven. Würde er am früheren Kapitän der Mannschaft, Jens Pichotta, vorbei müssen, während der in einer viel zu engen Sporthose seine Rückenmuskeln dehnte. Welche Muskeln zum Geier?!

Robert atmete tief durch, öffnete die rostige Sporthallentür und suchte sich eine dunkle, leerstehende Kabine zum Umziehen. Kaum dass er zehn Minuten später die Spielfläche betrat, sah Robert im Augenwinkel einen Schatten auf sich zurasen. Die schwielige Pranke von Co-Coach Berg landete krachend auf seiner Schulter und die für Hallensport von Rechts wegen viel zu langen Fingernägel bohrten sich mit einem stechenden Schmerz in das weiche Gewebe oberhalb seines rechten Schlüsselbeins. „Na mein Freund und Kupferstecher? Bereit für das große Duell gegen die Fuffen von deiner alten Mannschaft?!“ Robert wollte antworten: „Nimm deine Drecksgriffel von meiner Schulter, du abgehalfterter Rummelboxer!“ Wollte es laut herausschreien, dass es die ganze Welt hören konnte. Unter dem Schmerz der Nägel, die noch immer in seinem Fleisch steckten, konnte er jedoch nur ein schwaches „Jawohl Sir!“ wimmern. Scheinbar zufrieden ließ die Schlägervisage von ihm ab und trollte sich.

Gerade als er sich an Kreisläufer Nils Klitzke vorbeidrückte, der sich wie immer vor dem Training noch schnell eine Bulette reinstopfte und ihn mit einem Mostrichlächeln zuzwinkerte, sah er Dr. Jan auf sich zusteuern. Der Doktor winkte ihm schon von Weitem strebermäßig wie ein Zweitklässler, der als Erster mit dem Diktat fertig war, zu. „Du Roooobeeeert – ich habe gestern auf Sport1 ein Ding gesehen! Das MÜSSEN wir mal probieren. Kempa nennen die das im Fernseher!“ `Mach dich nicht nass, Alter`, dachte Robert und nickte scheinbar interessiert. Einfach tot stellen, war seine Devise. „Ich spiele dir den Ball hoch in den Kreis und du musst dann gucken, was du damit machst. Am besten ins Tor werfen, oder was meinst du?“. Robert blickte auf den ausgestreckten Daumen, der dicht vor seiner Nase zum Stehen kam. Er erwidertet Dr. Jans Gruß, der daraufhin grinste wie Boris Becker, als der aus der Besenkammer kam.

`Puh, auch das geschafft`, war Robert erleichtert und drehte sich weg. Doch leider in die falsche Richtung, denn vor seinen Augen war Ex-Käpt´n Jens gerade im Begriff, auf dem Rücken liegend seine Beine erst hoch in die Luft zu strecken, um sich dann zusammenzurollen und die Füße mit einem vernehmbaren Stöhnen beiderseits neben seinem Kopf abzulegen. „Oh Gott, nicht doch! Deine Hose - sie ist viel zu eng! Sie gucken raus! Sie gucken alle beide raus“, kreischte Robert voller Entsetzen. Das Letzte, was er sah und hörte, ehe sich sein Geist aus seinem Körper verabschiedete, war der Ex-Käpt´n, der einmal links und einmal rechts an seinen Oberschenkeln vorbeiblickte, kicherte und sagte: „Na Jungs, wieder mal ausgebüxt ihr Schlingel?“

Schweißgebadet wachte Robert Suchalla in seinem Bett auf. Beim Blick durch das Zimmer kamen seine Augen auf seinem Poker.com-Wandkalender zur Ruhe, wo mit dickem Filzstift eingetragen stand: Samstag, 14:30 Uhr Kirchsteigfeld, Bad Freienwalde. „Gott sei Dank – alles nur ein böser Traum“, sprach er beruhigend mit sich selbst. Sein rechtes Schlüsselbein schmerzte ...

(Marc Thiele)

Geschrieben von Marc ThieleVeröffentlicht in: News VfL2

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