17-05-11 13:07 Alter: 1 yrs

Das Interview zum Saisonabschluss

Kategorie: Verbandsliga

VON: JEPI

Die Verbandsligasaison der "Dritten" des VfL Potsdam ist vorbei. Es war wieder ein aufregendes Spieljahr mit vielen unvergessenen Augenblicken. Das Potsdamer Trainergespann, Checo (Chefcoach) Hanisch und Coco (Co-Coach) Gajewski, verabschiedete sich unmittelbar nach Abpfiff der letzten Partie in einen wohlverdienten Kurzurlaub. Sie wollten dem medialen Rummel der Landeshauptstadt (Autokorso durch die leeren Straßen des Kirchsteigfelds, Autogrammstunde bei Getränke-Hoffmann, Eintrag in Volkis Poesiealbum) entfliehen - endlich einmal Ruhe finden. Der Urlaubsort war geheim. Die Handys des Erfolgsduos ausgestellt. Ich hatte nun die Ehre, mit ihnen nach einigen Tagen der Erholung ein Blick auf das Erlebte zurückzuwerfen. Gemeinsam kommen die Beiden an einem Morgen am Strand von Warnemünde gedankenversunken angeschlendert. Die Szenerie könnte etwas von Franz Beckenbauers Spaziergang über den Rasen des Olympiastadions von Rom nach dem WM Sieg 1990 haben. Wenn nur dieser elende Fischgestank nicht wäre...

Zeitung: Herr Hanisch, Herr Gajewski. Wir kennen uns nun schon einige Jahre. Wir haben gemeinsam große Triumphe gefeiert und bittere Niederlagen ertragen. Meint Ihr nicht, dass es an der Zeit wäre, uns einander als Ausdruck unserer Verbundenheit beim Vornamen anzusprechen? Also ich bin der ...

Gajewski: Abgelehnt, Du Tintenkleckser!

Zeitung: Oh, ja natürlich. Entschuldigen sie bitte. Äh, Herr Hanisch, zunächst ein Saisonfazit bitte.

Hanisch: Ich glaube, wir können mit dem Erreichten wieder einmal überaus zufrieden sein. Wir sind nicht abgestiegen und haben viel gelacht. Das war auch unser Saisonziel, wenn ich mich nicht irre. Das alles im Übrigen in einer Liga, die durch die überaus starken Aufsteiger noch einmal an Niveau gewonnen hatte.

Zeitung: Welche Mannschaft hat sie persönlich in diesem besonders beeindruckt?

Hanisch: Die Reserve vom Grünheider SV ist sicherlich verdientermaßen aufgestiegen. Wirklich beeindruckt war ich aber von der Heimspielatmosphäre in Bad Freienwalde, Werneuchen, Perleberg und Wittenberge. Da wird echt was auf die Füße gestellt und es war uns eine Ehre, dort antreten zu dürfen. Unser Zuschauerschnitt von 9,2 (Kampfgericht und Schiedsrichter eingerechnet) haut einem ja nicht wirklich vom Hocker.  

Zeitung: Lt. einer Pressemeldung ist Ihre Mannschaft auf der Suche nach Verstärkungen. Warum?

Hanisch: Nach einigen Jahren ohne wesentlichen Personalveränderungen gab es in diesem Jahr einen kleinen Umbruch. Mehrere verdiente  Leistungsträger wie Ralf Spiesicke, Michael Jordan oder Karsten Heinemann haben sich vor der Saison verabschiedet, andere wie Marco Schulz, André Kernbach, Nils Zabel und Matze Hähnel kamen nur noch vereinzelt zum Einsatz. Wir traten in jedem Spiel in veränderter Formation auf.

Zeitung: Sind darin auch die teilweise gravierenden Leistungsunterschiede zu suchen? Immerhin punktete Sie gegen Spitzenmannschaften, gaben aber ebenso auch Punkte gegen die Schlußlichter der Liga ab.

Hanisch: Ich würde gern mit "Ja" antworten. Aber ich befürchte, so einfach ist es nicht. Die Truppe ist einfach unberechenbar. Wir traten mit voller Kapelle gegen Teltow/Ruhsdorf an - und verloren. Wir fuhren mit einer Rumpftruppe nach Bad Freienwalde - und gewannen. Ich habe da eine Formel erstellt, die u.a. aus der Anzahl der neugeborenen Kinder meiner Spieler (bekanntlich stets ansteigend), den Anzahl der Toren von Team JUNG beim Fußball (bekanntlich stets absteigend) und Kitzlers gefangenen Bällen am Kreis (bekanntlich absolut variabel) besteht. So kann ich die Siegchance meiner Truppe berechnen. Glaub ich jedenfalls.

Zeitung: Herr Hanisch. nach Ihrer langen Tätigkeit beim VfL Potsdam, muß jetzt nicht langsam der nächste Karriereschritt erfolgen? Sie gelten schließlich als Koryphäe des Potsdamer Handballsports.

Hanisch: Ganz ehrlich, es macht mir überhaupt nicht aus, dass ich nicht als Nachfolger für die DHB - Auswahl gehandelt wurde. Und die "Dritte" zu trainieren, ist ja auch fast nichts anderes. Nur, dass die eben lieber im Training Fußball spielen. Im Übrigens heißt es Konifere.

Wir sind mittlerweile wieder ins Hotel Neptun eingekehrt, wo das Potsdamer Trainergespann das komplette Dachgeschoss angemietet haben. Keine Frage des Status, nur reine Angewohnheit, wie die beiden bescheiden betonen. In der mediterranen Bar des Hotels, der "Grillstube Broiler", erfährt der Gedankenaustausch seine Fortsetzung...

Zeitung: Herr Hanisch, Herr Gajewski, sie führen die "Dritte" nun schon gemeinsam seit 5 Jahren. Wie konnten sie in diesem Haifischbecken des brandenburger Amateursports nur so lange überleben?

Gajewski: Das Lebensgefühl passt uns eben wie ein warmer Mantel. Warum? "Mia san mia", sagen wir in Potsdam. Wir sind wir und ich bin ich. Selbstbewusst, arrogant, dominant, ehrlich, arbeitsam, innovativ, aber auch warm und familiär. Ich z.B. bin ein Kommunikator und die Spieler merken dass, weil ich ihnen meine Philosophie schnell beigebracht habe.

Zeitung: Man hört aber aus Mannschaftskreisen, dass sie teilweise im Training wie ein Despot auftreten, wegen Nichtigkeiten Strafliegestütze machen lassen und im Fußballspiel durch unnötige Fouls auffallen?

Gajewski: Das alles fassen Sie bitte unter innovativ zusammen. Ich will den jungen Spielern schließlich eine gewisse Wettkampfhärte antrainieren.

Zeitung: Und warum werden Spieler in der Mannschaftskabine der Lächerlichkeit preisgegeben?

Gajewski: Das würde ich nicht so formulieren. Wir sind eben eine äußerst humorvolle Truppe, die über den einen oder anderen niveauvollen Witz schon ein bisschen schmunzelt. Im Übrigen werden die Sprüche fairerweise stets hinter dem Rücken der Spieler gemacht. Und wer zuerst Duschen geht, ist schließlich auch selbst schuld.

Zeitung: Herr Hanisch, Herr Gajewski, wer ist persönlich ihr Spieler der Saison?

Hanisch: Volkmar Burkhard, wie immer. Studium, Nebenjob, Handball spielen, Papa werden. Wie schafft der das nur?

Gajewski: Dem kann ich mich nur anschließen. Volki ist auch ein echte Koryphäe.

Hanisch: Konifere, Coco. Ko-ni-fe-re.

Zeitung: Äh, schon gut. Ich wünsche Ihnen Beiden noch einen erholsamen Urlaub und alles Gute für die nächste Saison.

Gajewski: Bitte sehr, Du Schreiberling. Nun aber Abmarsch!

Leistungsnachweis der "Dritten":

1. Max Zern (Rückraum, 20 Einsätze)

2. Jan Thiele (Rückraum, 19 Einsätze)

3. Florian Knuth (Rückraum, 18 Einsätze)

4. Jens Pichotta (Rückraum, 17 Einsätze)

5. Gregor Oppermann (Rückraum, 16 Einsätze)

6. Nils Klitzke (Kreis, 15 Einsätze)

7. Robert Suchalla (Außen, 15 Einsätze)

8.  Karsten Bukow (Tor, 15 Einsätze)

9. Volkmar Burkhardt (Außen, 14 Einsätze)

10. Toralf Vietze (Tor, 14 Einsätze)

11. Matthias Premnitz (Rückraum, 12 Einsätze)

12. Holger Flohr (Außen, 11 Einsätze)

13. Christoph Schwiemann (Rückraum, 11 Einsätze)

14. Sven Schelzig (Außen, 10 Einsätze)

15. Stefan Glogner (Kreis, 9 Einsätze)

16. Uwe Gajewski (Kreis, 7 Einsätze)

17. Holger Bunk (Außen, 7 Einsätze)

18. Matthias Wirth (Tor, 4 Einsätze)

19. Normen Landwehr (Tor, 4 Einsätze)

20. Anton (Kreis, 3 Einsätze)

21. Niels Zabel (Außen, 2 Einsätze)

22. Marco Schulz (Rückraum, 2 Einsätze)

23. André Kernbach (Außen, 2 Einsätze)

24. Matthias Hähnel (Kreis, 1 Einsatz)

25. - 28.Dirk Spiesicke, Stefan Möhn, Michael Schudek, Robert Bunk ("noch" keine Einsätze)


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