„Ich will nicht noch mal absteigen“
Kategorie: 2. Bundesliga, PressemeldungenVON: DETLEF BRAUNE
MAZ
Lars Melzer tritt mit dem VfL Potsdam zum Rückrundenbeginn bei der HG Saarlouis an
POTSDAM - Au backe, VfL Potsdam. Mit 9:22 geriet der Zweitligist zuletzt beim ThSV Eisenach bereits bis zur Halbzeit unter die Räder. Am Ende hieß es 31:45. „An so viele Gegentreffer in einem Spiel kann ich mich nicht mehr erinnern“, zog VfL-Regisseur Lars Melzer eine erschütternde Bilanz. Die Havelstädter zieren nach sieben Niederlagen in Folge den vorletzten Tabellenplatz. Und nun dürfte die Partie zum Rückrundenauftakt bei der HG Saarlouis am Sonnabend um 19.30 Uhr keinen Deut leichter werden. Der Tabellensechste schlug am vergangenen Wochenende zu Hause Emsdetten mit 34:32.
Der VfL hatte zum Auftakt Anfang September mit 29:25 gegen Saarlouis triumphiert. Da spielten die Schützlinge von Trainer Rüdiger Bones Melzer noch unbeschwert auf. Jetzt droht sich die Gefahr zuzuspitzen. Bones spricht von einer „nachdenklichen Stimmung im Team“. „Allmählich steht es für uns Spitz auf Knopf, auch wenn noch 19 Spiele vor uns liegen“, sagt Melzer. „Wir dürfen jetzt nicht lamentieren. Ich möchte nicht noch mal absteigen“, so der Mann mit der Trikotnummer 3. Mit Concordia Delitzsch war er aus der 1. Bundesliga abgestiegen. Mit dem VfL musste der Akteur, der im Rückraum Mitte die neben dem Torwart wichtigste Position im Handball ausfüllt, 2007 schon mal aus der 2. Bundesliga runter.
Im Gegensatz zum letzten Gegner Eisenach mit Vollprofis konzentriert sich beim VfL nur Torwart Gabor Pulay ausschließlich auf seinen Sport. Der 31-jährige Melzer hat an der Potsdamer Uni Sport und politische Bildung auf Lehramt studiert. Jetzt sitzt er an der Abschlussarbeit. Zusammen mit Lebensgefährtin Sandra zieht er Söhnchen Pepe groß. Es wird Ende März ein Jahr alt. „Sandra ist eine Powerfrau, sie hält mir den Rücken frei“, beschreibt Melzer seine Situation. Derart gestärkt, will der Spielmacher auch auf dem Parkett wieder zu größeren Taten rüsten und mit dem Team aus dem Schlamassel rauskommen.
„Die Niederlagen haben sich auch im Kopf bemerkbar gemacht“, sagt Melzer. „So etwas löscht du nicht so schnell aus, bei den jungen Spielern geht das noch langsamer.“ Der Familienvater sieht sich bei seinen „Schäflein“ im Spiel in der Pflicht. „Wir trainieren ordentlich, müssen aber locker bleiben, dann stellen sich auch wieder die Emotionen ein“, hofft Melzer. „Wir müssen die vielen Mosaiksteine von einer sicheren Abwehr über den kontrollierten Spielaufbau bis zur höheren Effektivität im Abschluss zusammenfügen.“ Auf einen weiteren Neuen nach Marc Pechstein, der von der Zweiten der Füchse Berlin kam, dürfen die in Geldnöten steckenden Potsdamer nicht hoffen. Mit Bob Hanning, Manager von Kooperationspartner Füchse Berlin, wurde ausgemacht, nur im Verletzungsfall beim VfL einen weiteren Akteur zu holen. Die Wechselfrist endet am 15. Februar.
Coach Bones hat sich notgedrungen mit dem jetzigen Personal abgefunden. Er sagt: „Wir müssen die Leute, die wir haben, in die Pflicht nehmen.“

