Debakel und Torfestival zum Auftakt
Kategorie: 2. Bundesliga, PressemeldungenVON: SEBASTIAN MORGNER
MAZ
Zweitligist VfL Potsdam verliert beim ThSV Eisenach 31:45 / 76 Treffer in 60 Minuten
EISENACH - Alexander Urban verbrachte den gestrigen Sonntag ganz in Ruhe zu Hause auf der Couch. Der Kreisläufer des Handball-Zweitligisten VfL Potsdam wollte am liebsten nicht mehr auf die 31:45 (9:22)-Niederlage beim ThSV Eisenach blicken. „Das ist extrem ärgerlich“, fasste der Mann mit der Trikotnummer neun das erste Spiel des neuen Jahres zusammen. „Eisenach hat eine sehr gute Mannschaft, ist sehr heimstark. Wir haben in der ersten Halbzeit nicht mutig genug im Angriff gespielt. Das war schon kläglich.“
In den ersten 30 Minuten zeigte der Gastgeber eindrucksvoll, welche Rolle das Team in der zweiten Liga spielen kann. Im Hexenkessel – 1600 Zuschauer wollten sich das Ost-Duell nicht entgehen lassen – brachte Marvin Sommer die Gäste aus Potsdam zwar mit 1:0 in Führung. Doch was die Schützlinge von Trainer Rüdiger Bones bis zum Seitenwechsel boten, hatte kein Zweitliga-Niveau: „Wir wollten unser Spiel mehr in die Breite ziehen, wollten über die Außenpositionen zum Torerfolg kommen.“ Die Taktik ging jedoch nicht auf. Zu ängstlich, oft durch die Mitte und nicht aggressiv genug agierte der VfL in der Offensive.
Anders Eisenach. Per Konter-Handball der besten Art zog das Team eiskalt davon (15:3, 21.). „Wir haben unsere Chancen nicht genutzt, leichte Fehler gemacht und haben zwölf Kontertreffer kassiert“, so Bones. Zudem hat der Rückraum oftmals zu statisch gespielt.
Nach dem Seitenwechsel stellte Bones um, ließ neben Lars Melzer die jungen René Drechsler und Neuzugang Marc Pechstein spielen. „Wir haben in der zweiten Halbzeit offensiver gedeckt, den Gegner zu Fehlern gezwungen und das Spiel ausgeglichen gestaltet“, so der Coach. Drechsler und Pechstein hätten ordentlich gespielt. Potsdam nutzte nun die Möglichkeiten besser und traf auch aus dem Rückraum. 22-mal konnten die Gäste die starken Eisenacher Torhüter Radek Musil und Stanislav Gorobtschuk überwinden.
Auch Urban sah eine Leistungssteigerung in den zweiten 30 Minuten. „Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass Eisenach deutlich geführt hat. Da schaltet man vielleicht auch einen Gang zurück.“ Auf die guten Ansätze nach der Pause müsse man aber nun aufbauen. Denn am Sonnabend gastiert der VfL Potsdam bei der HG Saarlouis (19.30 Uhr). „Da müssen wir mutiger spielen und druckvoller angreifen“, hofft der Routinier, dass sein Team die Kurve bekommt. Eine mannschaftsinterne Aussprache hält Urban für überflüssig. „Wir wissen alle, um was es geht. Es lässt sich niemand hängen. Wir kennen die Tabelle.“
Trainer Rüdiger Bones wird hingegen bei der heutigen Spielauswertung deutlichere Worte finden. Der Coach hat nach dem Debakel zum Auftakt seinen Humor aber nicht verloren. „76 Tore in einem Spiel – die Zuschauer kamen auf ihre Kosten.“

