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18
März
2017

MAZ: Auf dem Weg zum Klassiker

Oranienburg empfängt heute in der dritten Handballliga Potsdam – in kurzer Zeit stieg das Duell zum Sporthighlight auf
 
Detlef Doering kann sich noch gut an die Anfangszeiten erinnern, damals, Ende der neunziger Jahre, als das Duell langsam Fahrt aufnahm. „Das war gar kein Vergleich zu heute“, sagt Doering, lange Trainer beim VfL Potsdam, „in Oranienburg wurde in einer Schulturnhalle gespielt, in der es ein paar kleine Tribünen gab, da waren vielleicht 200 Zuschauer.“

Das Fluidum wird heute völlig anders sein, wenn um 18.30 Uhr in der schmucken MBS-Arena in Oranienburg das Duell zwischen dem OHC (5.) und dem VfL Potsdam (4.) in der dritten Handball-Liga Nord angepfiffen wird. „Das Spiel ist nach den Bundesliga-Partien der Füchse das wichtigste Handball-Ereignis in der Region Berlin-Brandenburg“, sagt Michael Jantzen, der Trainer des Oberligisten Ludwigsfelder HC und seit Jahren ein profunder Kenner der Szene, „und hat in den vergangenen Jahren stetig an Bedeutung gewonnen.“
 
Und das, obwohl es keine illustre Vergangenheit aus der DDR-Zeit gibt, die das Duell illuminiert – die Partie ist innerhalb kurzer Zeit von null auf hundert zur Handball-Partie Nummer eins und einer festen Größe im Sportkalender Brandenburgs aufgestiegen: „Im Prinzip gibt es keine nennenswerte Tradition aus der Zeit vor der Wende“, sagt Doering, „die Zeit der regelmäßigen Aufeinandertreffen hat erst in den neunziger Jahren begonnen.“ Gunnar Tredup, der von 1994 bis 2012 für den OHC spielte, erinnert sich daran, dass er in der Saison 1997/98 in der Oberliga Brandenburg auf den VfL traf: Oranienburg gewann in Potsdam und spielte zu Hause unentschieden. „Wir stiegen am Ende der Saison in die Regionalliga auf“, so der einstige Torwart. Ein Jahr später folgte der Rivale aus der Landeshauptstadt.
Und: Gerade nach der geplatzten Übertragung der Weltmeisterschaft im Free-TV und dem damit ausgelösten Aufmerksamkeitsdefizit, das die Sportart ausbremste, sind lokale Highlights mit großer Strahlkraft besonders wichtig, um die Sportart ins öffentliche Interesse zu rücken. „Das ist auf jeden Fall ein Aushängeschild für unsere Sportart“,  sagt Jens Herrmann, der amtierende Präsident des Brandenburger Landes-Verbandes, „und für die Attraktivität sehr wichtig.“
 
Auch sportlich gehört das Duell zum gehobenen Segment, beide Mannschaften rangieren in den Top-Five der Tabelle, bei großzügiger Auslegung steht ein Spitzenspiel auf dem Programm. Und eine Revanche, nachdem Oranienburg in der Hinrunden-Begegnung beim VfL siegte. Für OHC-Trainer Christian Pahl wird es entscheidend sein, das Umkehrspiel der Potsdamer, bei denen Caspar Jacques wegen eines Bandscheibenvorfalls erfolgreich operiert wurde, zu unterbinden. „So gut, wie sie ihre erste und zweite Welle spielen, kann das keine andere Mannschaft der Liga, eventuell noch Altenholz.“
Christian Pahl vermutet, dass es gegen die zuletzt sehr konstant spielenden Potsdamer ein schwieriges Spiel wird. Der VfL agiere sehr geduldig, 60 Minuten spiele das Team seinen Stiefel runter. „Ein Qualitätsmerkmal“, findet der Coach. Passend für das Spiel. Seit der Einführung der dritten Liga in der Saison 2010/11 hat es neun Duelle gegeben: Fünfmal siegte der VfL, viermal das Oranienburger Ensemble. Highlights waren die Spiele unabhängig vom Ausgang:  „Das Spiel elektrisiert mehr als ein Duell mit einem Gegner aus einer weiter entfernten Region“, sagt VfL-Geschäftsstellenleiter Christian Barth.

MAZ-Artikel: Stefan Blumberg / Lars Sittig

Geschrieben von AdministratorVeröffentlicht in: News