15-12-11 09:10 Alter: 154 days

Der Mann mit dem roten Mundschutz

Kategorie: 2. Bundesliga, Pressemeldungen

VON: SEBASTIAN MORGNER

MAZ

Alexander Urban spricht über die zweite Liga, das Rostock-Spiel und seine Schallplatten-Sammlung

POTSDAM - Alexander Urban hat ein Problem. Der Festnetz-Anschluss in seiner neuen Wohnung in Babelsberg funktioniert nach dem Umzug im September noch immer nicht. Ein Experte sollte sich an jenem Dienstag um den Fall kümmern. Urban, der zusammen mit seiner Freundin Linda wohnt, war guter Dinge, dass diesmal das Problem behoben wird.

Dieser Optimismus zeichnet Urban auch im Sport aus. Der Handballer des Zweitligisten 1. VfL Potsdam geht stets mit Einsatz und Einstellung voran, ist ein Vorbild für die jungen Spieler. Der Kreisläufer ackert und rackert für sein Team. Auch dann, wenn der Spielverlauf nicht nach seinem Wunsch verläuft und am Ende der Erfolg in Form von Punkten ausbleibt.

Wie so oft zuletzt. Die Frohnatur gibt bis zur letzten Sekunde Gas. „Wir wussten vorher, dass es eine ganz schwere Saison wird“, so der Mann mit der Trikotnummer neun, der seit 2009 für den VfL auf Torejagd geht. „Die zweite Bundesliga ist extrem ausgeglichen. Da kann jeder jeden schlagen.“

Deshalb warnt der 32 Jahre alte Mitarbeiter einer Potsdamer Unternehmensberatung vor dem Auswärtsspiel am Freitag gegen Empor Rostock (19.30 Uhr/Arena). „Was heißt schon Schlusslicht? Wie lange stand Bad Schwartau am Tabellenende und gewinnt nun ein Spiel nach dem anderen?“, appelliert der studierte Wirtschaftsingenieur an die Einstellung der gesamten Mannschaft.

„Wir dürfen nicht hoffen, dass wir irgendwie durchkommen. Wir dürfen nicht nur reden, sondern müssen auf dem Parkett mit Leistung und Selbstvertrauen überzeugen.“ Urban weiß, dass es zurzeit nicht an der Einstellung und dem Willen liegt. „Es läuft aber holpriger als im Vorjahr. Vielleicht ist der Druck zu groß, unbedingt gewinnen zu müssen.“

Dass die Mannschaft zu alt für die neue Staffel sei, wiegelt der einstige Akteur vom EHV Aue und ThSV Eisenach sofort ab. Im Gegenteil. „Wir haben absolut Zweitliga-Niveau.“ Victor Pohlack sei aber nach seiner Verletzung noch nicht richtig fit. Auch Stephan Mellack und Enrico Bolduan sind in Topform wichtige Stützen.

„Das ist keine Frage der Qualität. Stephan und Enrico sind nicht richtig drin im Spiel. So wie zum Beispiel Lars Melzer.“ Die kurzen Einsatzzeiten könnten Ursache dafür sein. Grund zur Sorge hat Urban nicht. „Wir können nach Weihnachten Panik machen, wenn wir dann noch immer zwölf Punkte haben. Gewinnst du zweimal, steht man gut da. Verliert man zweimal, könnte es fünf vor zwölf werden. Noch ist aber alles im grünen Bereich“, so Urban vor den letzten drei Partien des Jahres.

Für „Axel“ – den Spitznamen hat er in seiner Nachwuchszeit in Cottbus erhalten – zählen am Freitag an der Ostsee nur zwei Punkte. Zumal alle Mann an Deck sind. Der 1,94 Meter große Potsdamer wird wieder mit vollem Engagement spielen. Der rote Mundschutz ist – auch aus Aberglaube – immer dabei. Den hat Urban einst von seiner Schwiegermutter bekommen. „Er gehört mittlerweile dazu wie Ellenbogen- und Knieschützer.“

So wie seine Schallplatten. „Ich habe ein Gespräch zwischen Jan Piske und Jörg Reimann mitbekommen, wo es um die Qualität bei Schallplatten ging. Seitdem interessiere ich mich dafür“, sagt der Musik-Fan über sein Hobby. Von Punk über die Beatles bis hin zu Hardcore-Rock ist alles dabei. Mehr als 1000 CD’s stehen schon zu Hause in seinem Schrank. Dort ist Alexander Urban seit gestern auch telefonisch zu erreichen. Das Problem mit dem Festnetz-Anschluss ist gelöst.

 

Rund ums Rostock-Spiel:

Der HC Empor Rostock liegt nach 15 Spielen mit 8:22 Punkten auf dem letzten Rang der zweiten Bundesliga.

Zuletzt verlor das Team bei ThSV Eisenach deutlich mit 29:41 (12:24).

Bester Werfer beim einstigen Vorzeigeclub der DDR (zehn Meistertitel und sieben Pokalsiege) war René Gruszka mit sechs Toren.

VfL-Trainer Rüdiger Bones hat personell keine Probleme und spricht von einem richtungsweisenden Duell. „Die Leistungsträger – und damit meine ich nicht nur die älteren Spieler – sind gefragt. Auch die Jüngeren müssen unbedingt eine Schippe drauflegen“, so Bones. sm


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